Es verwundert mich allerdings etwas. Dieser Umstand als auch der, dass sie (Zitat meines GPA) „mit dem Ansturm auf die Autos nicht gerechnet“ haben. Wenn ich die Marke etabliere und dann in neue Märkte (D, UK, USA usw.) gehe, mache ich vorher Szenarien für Business-Cases inklusive einer entsprechenden Personal- und Kostenplanung.
Sie stecken so viel Geld ins Marketing und das Image der Marke und sind dann „überrascht“, dass das tatsächlich funktioniert?
Automarken sind üblicherweise gut vorbereitet auf einen Markteintritt. Sie kennen Zielgruppen, Marktgegebenheiten und errechnen mögliche Umsätze. Das basiert natürlich auf Annahmen (z.B. “Wie viel Prozent der Zielgruppe, Mercedes-, BMW-, Audi-, Tesla-Fahrer wechselt zu uns?“), aber man kann hier schon Szenarien für zu erreichende Marktanteile entwickeln. Und dann kann ich, je nach angenommenen Marktanteil, errechnen, was das für mich bedeutet: x Prozent verkaufte Autos bedeuten y benötigte GPAs und z mögliche Service-Aufwände -> vorausgesetzt, ich will meinen Premium-Anspruch unabhängig von der Anzahl der verkauften Autos aufrechterhalten. Klar ist, dass es Luxus-Nischen-Marken einfacher haben, einen hochklassigen, individuellen Service anzubieten als Massenhersteller. Ist bei Restaurants so, ist bei Uhren-Hersteller so, ist bei Möbel-Herstellern so etc.; dann hat das halt immer seinen Preis.
2022 war in vieler Hinsicht ein besonderes Jahr. Es gab einen Nachholeffekt aus den Covid-19 Jahren. Im vierten Quartal 2022 gab es einen deutlich erhöhten Ausfall von Arbeitskräften durch Atemwegserkrankungen in allen Bereichen. Es gab Verzögerungen in der Logistik (Schiffe kamen später als geplant, fehlende Kapazitäten bei der Aufbereitung und beim Transport, etc.). Die Reduzierung der Umweltprämie ab 2023 hat Genesis zusätzlich einen gewaltigen Schub gegeben. Genesis war quasi einer der ganz wenigen Hersteller, die noch im Juli ein Lieferversprechen für den GV60 in 2022 abgegeben haben (ja es hat nicht bei allen funktioniert, aber Genesis übernimmt die Differenz). Genesis hat die GV60 Produktion für Deutschland priorisiert und mehr Fahrzeuge noch Deutschland geschickt. Das alles wird sich in Deutschland in 2023 normalisieren. Das entschuldig aber nicht alle Probleme und vor allem nicht die schlechte Kommunikation.
Die Rekrutierung von gutem Personal ist aktuell schwierig und zeitintensiv. Kurzfristig funktioniert so etwas leider nur sehr selten.
Genesis hatte die Wahl zwischen: Weniger Fahrzeuge in 2022 zu verkaufen/auszuliefern oder zu versuchen die entstehenden Probleme bestmöglich in den Griff zu bekommen. Genesis hat sich für die zweite Möglichkeit entschieden. Andernfalls wären aktuell wohl deutlich weniger GV60 auf deutschen Straßen unterwegs.