KFZ-Mechatroniker sind weder unqualifiziert noch ungeschult. Sie wurden für diese Arbeiten einfach nicht ausgebildet. Der Schulungsaufwand für Arbeiten an einer HV Batterie unter Spannung (geöffnete Batterie) ist recht umfangreich und kann nur schrittweise über mehrere Jahre und Stufen inkl. Praxiserfahrung und Theorieprüfungen aufgebaut werden. Ohne jährliche Sicherheitsunterweisung darf heute kein Mitarbeiter eines Autohauses oder einer Werkstatt ein Fahrzeug mit einer HV-Batterie auch nur anfassen.
Selbst bei Porsche konnten die Arbeiten an der HV Batterie (Abdichtung) für den Porsche (und Audi) Rückruf nur von wenigen Porsche Zentren durchgeführt. Im Frühjahr 2024 konnten erst 7 von 90 Werkstätten diese Arbeiten überhaupt durchführen.
Die Ausbildung eines KFZ-Mechatronikers hat nichts mehr mit der Ausbildung eines KFZ-Mechanikers von vor 30 oder 40 Jahren gemeinsam. Motoren, Getriebe und andere Komponenten werden dort nur noch als Einheiten zum Tauschen betrachtet. Ich kenne KFZ-Werkstätten noch aus meiner Jugend. Dort wurden tatsächlichen noch Motoren und Getriebe Instand gesetzt und andere Dinge repariert. Aber schon damals wurden spezielle Tätigkeiten (z.B. Zylinderhohnen und Zylinderkopfplanen) meistens an Spezialbetriebe vergeben. Die großen und teuren Maschinen haben sich einfach nicht gerechnet und erforderten sehr spezielle Kenntnisse. Damals wurden Werkstätten und Mechaniker teilweise noch richtig dreckig bei der Arbeit. Heute sind die Werkstätten häufig schon fast klinisch rein.
Heute werden in den Vertragswerkstätten nur noch Komponenten nach Herstellervorgaben getauscht. Eine Instandsetzung von Motor oder Getriebe ist nicht mehr vorgesehen und steht in keinem Werkstatthandbuch. Das hat auch haftungstechnische Gründe (Geht ein Instand gesetztes Teil kaputt, haftet der Betrieb. Geht ein Austauschteil kaputt, haftet der Hersteller und ersetzt dem Betrieb die entstehenden Kosten). Aufgrund der Stundensätze rechnet sich die Instandsetzung häufig auch nicht mehr und Ersatzteile gibt es auch nur noch in seltenen Fällen oder mit extrem langen Lieferzeiten. Die Kunst zur Motoren- und Getriebeinstandsetzung hat sich auf wenige Betriebe konzentriert, die immer weniger werden. Häufig findet man es noch in Oldtimerwerkstätten und gelegentlich in freien Werkstätten mit älteren Mitarbeitern. Das ist leider die Realität (früher gab es auch mal recht viele Radio-/Fernseh-Reparaturbetriebe, auch diese sind quasi komplett verschwunden).
Ich wollte vor einigen Jahren ein Getriebe und ein Differential instandsetzen lassen, da der Hersteller keine Neu- oder Austauschteile liefern konnte. Die Suche nach einem entsprechenden Betrieb hat mich viel Zeit gekostet. Die Vertragswerkstätten im 150km Umkreis haben es abgelehnt: "So etwas machen wir schon seit vielen Jahren nicht mehr. Wir haben dafür keine Leute und Werkzeuge mehr." Ich bin schließlich bei einem kleinen 400km entferntem Spezialbetrieb in Essen gelandet. Alles zusammen hat es dann mit Ersatzteilbeschaffung beim DIfferential fast 6 Monate gedauert.